Sonntag, Juni 12, 2016

Rezension: Ein ganzes halbes Jahr - Jojo Moyes







Schluchzend und weinend habe ich am 07. 06. 2016 um 23:30 Uhr die 520 Seiten von Jojo Moyes' "Ein ganzes halbes Jahr" beendet und möchte euch mit dieser Rezension in das Buch einweihen.









"Genieße einfach das Leben. Lebe einfach." - In Liebe, Will Traynor


"Ein ganzes halbes Jahr", von Jojo Moyes, die deutsche Übersetzung des Romans der ursprünglich englischen Version "Me Before You", im Taschenbuchformat des rowohlt-Verlag. Erstveröffentlicht wurde das Buch am 5. Januar 2012, das Erscheinungsdatum der Verfilmung ist der 23. Juni 2016 (in Deutschland).

Die aufgeweckte und charismatische 26 jährige Louisa Clark lebt noch bei ihren Eltern, gemeinsam mit ihrer jüngeren, aber erfolgreicheren Schwester und ihrem Kind. Die Liebe und Beziehung zu ihrem Freund Patrick ist nach sieben Jahren genauso eingerostet wie ihr Alltag. Nachdem das Café, in dem sie seit Jahren leidenschaftlich gejobbt hat, schließen musste, ist Lou auf der Suche nach einer neuen Beschäftigung, um ihre Familie finanziell zu unterstützen. Nach mehreren misslungenen Anläufen in verschiedenen Jobs wird sie auf den Tetraplegiker Will Traynor aufmerksam gemacht, der für ein halbes Jahr eine neue Pflegekraft / Begleitung im Alltag benötigt. Sie solle ihm lediglich Gesellschaft leisten, da er nicht alleine bleiben soll, und ihm beim Essen und Trinken behilflich sein.


Will Traynor ist Mitte 30, ein ehemals sehr erfolgreicher und aktiver Geschäftsmann, der seit zwei Jahren, nach einem Unfall, sein Leben querschnittsgelähmt in einem Rollstuhl verbringt. Aus dem unabhängigen, abenteuerlustigen Mann ist die Verkörperung von Abweisung, Kaltherzigkeit und Unerreichbarkeit geworden.Da die wohlhabende Familie keine Krankenschwester, sondern eine authentische, optimistische Begleitung für Will sucht, erhält Louisa den gut bezahlten Job.
Unerfahren und geplagt mit anfänglichen Schwierigkeiten und Zweifeln entwickelt sich der Job zu mehr als nur einer gut bezahlten Beschäftigung; und die zu Anfang komplizierte, kühle Beziehung zu Will entwickelt sich zu einer Romanze der anderen Art. Der Job wird zum neuen Alltag und Louisa erfindet ihr Leben durch Wills Einfluss von Grund auf neu, was ihr ursprüngliches Leben auf den Kopf stellt. Sie erfährt und lernt, was es heißt, zu leben, von jemandem, der das Leben für sich bereits aufgegeben hat.

Die Sätze und Kapitel sind abwechselnd kurz und lang, direkte Rede in Alltagssprache / Umgangssprache und die Beschreibung von Louisas Gefühlslagen und Gedanken unterstützen die realistische Stimmung, was den Text auflockert und leicht verständlich macht. Außerdem werden erhaltene SMS und E-Mails von Louisa eingebaut.

Die Darstellung der Situation und der allgemeinen Geschichte ist sehr realistisch und lebensnah, sodass es sich auch um eine wahre Geschichte handeln könnte, die Louisa Clark erzählt, nachdem sie sie erlebt hat.  Aus der Ich-Perspektive wird beschrieben wer sie ist, wie sie lebt und in welchen Dilemma sie sich befindet. Genauso wird beschrieben wer Familie, insbesondere Will, Traynor ist, wie sie leben, was sie für Wertvorstellungen und Normen haben. Die Situationen, die sie erlebt hat, werden detailliert dargestellt.




"«Bei allem, was Frauen tun, denken sie an die Männer. Bei allem, was jeder tut, hat er Sex im Kopf. Haben Sie denn Eros und Evolution nicht gelesen?»
«Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden. Aber ich kann Ihnen versichern, dass ich nicht auf Ihrem Bett sitze und den Molahonkey-Song singe, um Sie zu verführen. Und als ich drei war, fand ich gestreifte Beine einfach ganz, ganz toll.»
Ich stellte fest, dass die Beklemmung, die mich den ganzen Tag beherrscht hatte, mit jeder Bemerkung Wills weiter abflaute. Ich fühle mich nicht mehr so, als wäre ich ganz allein für einen hilflosen Querschnittsgelähmten verantwortlich. Ich saß einfach da, neben einem besonders sarkastischen Kerl, und unterhielt mich mit ihm."



Zwischendurch wird der Fluss der Geschichte 3x von kurzen Kapiteln unterbrochen, in denen andere Akteure ihre Sicht der Dinge erläutern. Diese speziellen Kapitel haben den Namen des dortigen Erzählers als Überschrift (z.B. Kapitel "Nathan" in dem Nathan erzählt, wie er die Beziehung zwischen Will und Louisa erlebt).

Auch wird die Geschichte in einem realistischen Tempo erzählt - es gibt keine plötzlichen Wenden und es hat nicht auf einmal plötzlich gefunkt; es entwickelt sich alles nebenher, wie es im echten Leben auch der Fall ist. Was dazu führt, dass es zwar teilweise langwierig ist, man wartet, bis endlich etwas passiert, und die Spannungskurve erst gegen Ende des Buches richtig ansteigt, aber dadurch, dass es so realistisch ist und man sich identifizieren kann, möchte man immer weiter lesen.

Dafür, dass ich lange Zeit abgeneigt war, das Buch zu lesen, da ich kein Freund von Liebesgeschichten bin, hat mich dieses Buch nicht losgelassen. Ich habe noch nie so schnell 520 Seiten verschlungen (und so viel Zeit an mir vorbeiziehen lassen, weil ich so versunken war).
Anfangs bin ich davon ausgegangen, es wäre eine typische, außergewöhnliche Romanze, mit Dramen und typischen Wendungen. Doch schnell stellte sich heraus, dass es eine Geschichte ist, wie aus dem Leben herausgeschrieben. Diese Echtheit und das detaillierte Schreiben hat es mir ermöglicht, mich bis zur letzten Zeile in die Menschen und die Geschichte hineinzuversetzen, mir von jeder Person ein genaues Bild zu machen und während dem Lesen einen innerlichen Film zu sehen.


Der Roman "Ein ganzes halbes Jahr" zeigt den Lesern auf eine bodenständige, realistische Art, wie ein Leben aussehen kann und wie verschieden Lebensweisen sind. Die vielen verschiedenen Individuen geben Identifikationsmöglichkeiten.
Die Themen Lebensgestaltung und der Sinn des Lebens beschäftigen jeden, und hier wird dargestellt, wie es aussehen, verlaufen und wie sich ein Leben wenden kann. Die spezielle Situation, in der sich die 'normale' Louisa Clark und der querschnittsgelähmte Will Traynor befinden, vermitteln das Gefühl, nicht von einer Fachperson erklärt zu bekommen, was im Leben wichtig ist; es wird in eine Story verpackt, die jeden betreffen könnte. Diese Normalität und Ehrlichkeit, die in dem Buch herrscht, bietet Identifikationsmöglichkeit, regt zum Nachdenken über die eigenen Gewohnheiten an und inspiriert, aus ihnen auszubrechen und das Leben auszukosten - wie Will es Louisa, und den Lesern, als Freund, vermittelt.


Eine Kaufempfehlung für alle, die sich auf ein realistisches und bewegendes Abenteuer einlassen wollen und auf ein Buch, das einem noch lange Gedanken macht, prägt und lehrt.






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